Deine Spielerkarte lesen
Was ATK, DEF, MENTAL und ZEIT wirklich messen — und was nicht
Eine einzelne Wertungszahl sagt dir, wie stark du bist. Über die Art deiner Stärke sagt sie nichts — ob du Partien zermürbend gewinnst oder im Angriff, ob dich eine Niederlage aus der Bahn wirft, ob die Uhr dein eigentliches Problem ist.
Die Spielerkarte zerlegt deine jüngsten Partien in vier Dimensionen plus einen Gesamtwert. Dieser Artikel erklärt, woher jede Zahl stammt, damit du selbst beurteilen kannst, ob sie dir etwas Brauchbares sagt.
Die vier Werte
ATK (Angriff) misst aggressive, taktische Stärke. Grundlage ist deine Wertung in den schnellen Modi — Bullet und Blitz —, angehoben durch Genauigkeit, durch die Häufigkeit, mit der du Partien per Schachmatt beendest, und durch Siege gegen stärkere Gegner.
DEF (Verteidigung) misst Solidität. Grundlage sind deine Schnellschach- und Blitzwertung, angehoben durch hochwertige Remisen gegen stärkere Gegner und gemindert durch Niederlagen gegen schwächere. Ein hoher DEF-Wert bei niedrigem ATK-Wert heißt meist: Du bist schwer zu schlagen, erzwingst aber selten eine Entscheidung.
MENTAL misst, wie du dich hältst, wenn es schiefläuft. Der Wert verfolgt deine Siegquote in den Partien direkt nach einer Niederlage, dazu deine aktuelle Serie. Niederlagenserien ziehen ihn nach unten. Dieser Wert ist den meisten Spielern unangenehm — und oft der aufschlussreichste.
ZEIT misst den Umgang mit der Uhr. Bei Spielern, die in mehreren Zeitkontrollen aktiv sind, zeigt er, um wie viel besser du in den schnelleren abschneidest. Bei allen anderen steigt er durch Siege auf Zeit und sinkt durch Niederlagen auf Zeit.
OVR (Gesamt) ist der schlichte Wert: eine reine wertungsbasierte Zahl ohne Stilkorrekturen, die ungefähr zeigt, wo du stehst.
Wie sich die Karte je nach Modus ändert
Die Karte kann alle deine Partien zusammen oder eine einzelne Zeitkontrolle anzeigen. Das ist wichtiger, als es klingt. Wer im Blitz 1500 und im Schnellschach 1900 spielt, bekommt in der Gesamtansicht ein Profil, das auf niemanden zutrifft — es mittelt zwei verschiedene Spieler zu einem.
Der Blick Modus für Modus ist meist ehrlicher. Ist dein ATK-Wert im Blitz hoch und im Schnellschach mittelmäßig, steckt ein echtes Muster dahinter: Du lebst von Tempo und Initiative statt von Berechnung, und das trägt nicht mehr, sobald der Gegner Zeit zum Nachdenken hat.
Eine eigene Wertungsanzeige bekommt ein Modus erst ab fünf Partien. Darunter ist die Stichprobe zu klein für eine Aussage, also lässt die Karte den Wert weg, statt eine Zahl aus zwei Partien zu zeigen.
Genauigkeit und Performance
Die durchschnittliche Genauigkeit ist der Mittelwert der Zuggenauigkeit über alle deine Partien, für die eine Engine-Auswertung vorliegt. Sie erscheint erst ab fünf ausgewerteten Partien — ein Genauigkeitswert aus einer einzigen Partie ist Rauschen.
Die durchschnittliche Performance ist etwas anderes und oft nützlicher: Sie zeigt, wie stark du im Verhältnis zu deinen Gegnern gespielt hast, unabhängig vom Ergebnis. Du kannst eine Partie verlieren und trotzdem auf hohem Niveau gespielt haben, und über eine Serie von Partien verrät dieser Abstand, ob du unter oder über deiner Wertung spielst.
Die Aufschlüsselung von Siegen und Niederlagen
Beide sind danach aufgeteilt, wie die Partie tatsächlich endete: Schachmatt, Aufgabe, Zeit oder Abbruch. Fährst du über ein Segment, siehst du die Anzahl.
Das ist mehr wert als eine nackte Siegquote. Regelmäßig auf Zeit zu verlieren ist ein Uhrenproblem, kein Schachproblem, und verlangt eine andere Abhilfe. Überwiegend durch Aufgabe des Gegners statt durch Schachmatt zu gewinnen sagt etwas über die Art der Stellungen aus, in die du gerätst. Zwei Spieler mit identischem Punktestand können völlig verschiedene Aufschlüsselungen haben.
Was diese Zahlen nicht sind
Sie stammen aus deinen eigenen Partieergebnissen, nicht aus einer Engine-Beurteilung deines Verständnisses. Ein hoher ATK-Wert heißt, dass deine Ergebnisse aggressiv aussehen — nicht, dass ein Trainer dein Angriffsspiel für gesund hielte.
Außerdem reagieren sie empfindlich auf den Stichprobenumfang und auf den gewählten Zeitraum. Eine schlechte Woche bewegt MENTAL spürbar. Nimm die Karte als Beschreibung einer jüngeren Serie von Partien, nicht als endgültiges Urteil über dein Schach — so, wie du jede einzelne Zahl behandeln solltest.