Was du zuerst lernen solltest
Woran die meisten Partien scheitern — und warum du trotzdem dem folgen solltest, was dir Spaß macht
Im Schach hat man nie ausgelernt, und niemand sagt dir, womit du anfangen sollst. Also arbeitet man meistens an dem, was einem zuletzt untergekommen ist. Deshalb kennen viele zwölf Züge einer Eröffnung, bekommen aber kein Matt mit dem Turm hin.
Was hier steht, ist keine Vorschrift. Wer sich zu etwas zwingt, das ihm keinen Spaß macht, legt irgendwann eine längere Pause ein oder hört ganz auf — und wer nicht mehr spielt, wird auch nicht besser.
Nimm es also eher als Orientierung: Das sind die Dinge, an denen die meisten Partien tatsächlich scheitern.
Figuren nicht verschenken
Unter etwa 1000 werden fast alle Partien dadurch entschieden, dass eine Figur ungedeckt herumsteht — en prise, wie man sagt, also angreifbar, ohne dass etwas sie deckt. Das beste Stellungsverständnis nützt wenig, wenn jede Partie ein Springer verloren geht.
Dagegen hilft kein Wissen, sondern eine Angewohnheit: kurz schauen, was der Gegner gerade angreift und was der eigene Zug ungedeckt zurücklässt. Klingt banal und ist im Anfängerschach mit Abstand das Wirksamste.
Solange das nicht halbwegs sitzt, bringt alles Weitere wenig.
Die einfachen Taktikmotive
Fork (Doppelangriff), Pin (Fesselung), Skewer (Spieß), Discovered Attack (Abzugsangriff), Back-rank Mate (Grundreihenmatt). Diese fünf entscheiden einen Großteil aller Amateurpartien, und man bekommt sie mit regelmäßigem Taktiktraining schnell ins Auge.
Wichtiger als lange Varianten zu rechnen ist, die einfachen Muster sofort zu sehen. Die kommen nämlich in fast jeder Partie vor, während die komplizierten Kombinationen selten sind.
Eröffnungen: Prinzipien statt Theorie
Zentrum besetzen, Figuren auf sinnvolle Felder entwickeln, rochieren, Türme verbinden, und dieselbe Figur nicht ohne Grund dreimal ziehen.
Mehr braucht es lange nicht. Auswendig gelernte Varianten sind im Amateurbereich meistens verschenkte Zeit — der Gegner weicht sowieso früh ab, und dann hilft nur zu verstehen, worum es in der Stellung überhaupt geht.
Anders sieht es aus, wenn du aus einer bestimmten Eröffnung immer wieder schlecht herauskommst. Dann lohnt es sich, genau die anzuschauen, weil du ein echtes Problem gefunden hast.
Die wichtigsten Endspiele
Matt mit Dame, Matt mit Turm, dazu die Grundlagen im Bauernendspiel: Opposition und das Quadrat des Bauern.
Das überspringen die meisten — dabei zahlt es sich sofort aus. Solche Stellungen kommen ständig vor, und einmal gelernt veraltet das nie. Ein gewonnenes Endspiel noch zu verpatzen kostet genauso den ganzen Punkt wie ein Blunder, lässt sich aber viel leichter abstellen.
Der Umgang mit der Uhr
Irgendwann ist nicht mehr das Schach das Problem, sondern die Zeit. Auf Zeit zu verlieren oder in Zeitnot alles wegzuwerfen hat wenig damit zu tun, wie gut man spielt — das ist eine eigene Fähigkeit, und man kann sie getrennt üben.
Praktisch wird das Thema allerdings erst, wenn die Züge selbst schon halbwegs stimmen. Gut eingeteilte Zeit für Züge, die Figuren verschenken, hilft niemandem.
Tauschen oder nicht
Wann ein Abtausch gut ist, wann nicht, und wie man auf ein Endspiel zusteuert, das man beherrscht. Hier fängt Stellungsgefühl an, wichtiger zu werden als Rechnen.
Das ergibt allerdings erst Sinn, wenn man die Endspiele kennt. In ein vermeintlich gewonnenes Endspiel abzutauschen, das man dann doch nicht verwerten kann, ist schlechter, als die Figuren einfach auf dem Brett zu lassen.
Mittelspiel: Pläne und Strukturen
Bauernstrukturen, schwache Felder, wohin welche Figur gehört, und was man eigentlich macht, wenn gerade keine Taktik da ist. Das ist der Teil, der am längsten braucht.
Er hört auch nie ganz auf — je nach Typ ist das frustrierend oder genau der Grund, warum man dabei bleibt.
Und noch einmal: nichts davon ist Pflicht
Niemand arbeitet so eine Liste sauber von oben nach unten durch, und das muss auch nicht sein. Mittelspielverständnis sammelt man nebenbei ein, Endspieltechnik lernt man aus verlorenen Partien, und vieles fällt einem irgendwann einfach auf.
Wenn dich Eröffnungen faszinieren, dann beschäftige dich mit Eröffnungen — auch wenn dein Endspiel noch wackelt. Was zum eigenen Spielstil passt und Spaß macht, bleibt hängen. Was man sich abringt, hält selten lange durch.
Der beste Hinweis kommt am Ende sowieso aus den eigenen Partien: Woran hat es diesmal gelegen? Wer sich das regelmäßig ehrlich beantwortet, braucht keine allgemeine Reihenfolge.